Verkehrswende

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Das Auto ist innerhalb des letzten Jahrhunderts vom Luxusgut zum selbstverständlichen Besitz geworden. Und auch das Mobilsein an sich ist ein Gut, das noch nie so leicht zugänglich war wie jetzt. Doch jedes dritte neu zugelassene Auto in Deutschland ist aktuell ein SUV mit sehr hohem CO2-Ausstoß. Wie können wir mobil bleiben und gerade im städtischen Raum, wie hier in Halle, eine lebenswerte Atmosphäre schaffen?

 

Das Konjunkturpaket

Anfang Juni beschloss die Bundesregierung ein Paket zur Förderung der Konjunktur, um die wirtschaftlichen Einbußen aus den vergangenen Monaten zu lindern. Der Verkehrssektor spielt darin eine große Rolle und im Vorhinein hatte es heftige Diskussionen um eine mögliche Kaufprämie (auch: „Abwrackprämie“) für neue Verbrennerautos gegeben. Unter dem Hashtag #KeinGeldfuerGestern appellierten zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, Aktivistinnen und Aktivisten, an Union und SPD, den Klimaschutz ins Zentrum der wirtschaftlichen Zukunft zu stellen. Und tatsächlich wird es die Kaufprämie für Verbrennerautos nicht geben.

Für E-Autos und Hybride (Autos mit Verbrennungsmotor und E-Antrieb) erhalten Kundinnen und Kunden beim Neukauf allerdings ab sofort eine Prämie. Tobias Austrup, Politischer Referent für Verkehrswende bei Greenpeace e.V., erklärt, dass das Konjunkturpaket somit kein Programm für eine Verkehrswende bereithält – sondern für eine Antriebswende. Dabei ist die Zahl der Autos ein Problem: sie nehmen viel Fläche in Städten ein und verdrängen so andere Verkehrsmittel. Im Gegensatz zu anderen Staaten gibt es in Deutschland keine neuen Maßnahmen etwa zur Förderung des Radverkehrs. Für einen umfassenderen Klimaschutz und dem Erreichen der Pariser Klimaziele müsste die Fokussierung auf den Autoverkehr aufhören. Dafür braucht es politische Regulierungen und ein neues Verständnis von Mobilität.

 

Bei der Critical Mass

Hier treffen sich einmal monatlich Menschen, die Mobilität bereits neu denken und veranstalten eine kleine Fahrradtour durch die Straßen von Halle. Teilnehmende erzählen, dass sie sich in Halles Verkehr mit dem Rad nicht sicher fühlen, immer wieder Radunfälle erleben und sich mehr Priorität für dieses Verkehrsmittel wünschen. Durch die StVO-Novelle ist ihnen per Gesetz immerhin schon ein kleines bisschen mehr Raum gegeben, z.B. durch verschärfte Abstandregelungen und einfachere Möglichkeiten, Radwege zu markieren.

Lust mitzumachen?  Kommt vorbei! :-)

Jeden ersten Freitag im Monat, 18 Uhr
Start am August-Bebel-Platz in Halle

 

Halle Verkehr(t)

Die Online-Plattform „Halle Verkehr(t)“ und ihr Gründer Marco Gergele versuchen, Lösungen für die Probleme der Radinfrastruktur in Halle zu finden. Halle bietet zwar ein großes Potential für einen gesunden Radverkehr, doch es fehlt an Initiative von Bürgerinnen und Bürgern und Entscheidungstragenden. Am Runden Tisch für Radverkehr kommen immerhin die Stadtverwaltung, die Polizei, Verbände und interessierte Bürgerinnen und Bürger zusammen, über Fragen der Radinfrastruktur zu diskutieren. Es ist aber nach wie vor erschreckend, dass Autos gerade mit Parkflächen z.B. Straßenbahnen und Radfahrenden massiv Fläche nehmen und damit immer noch eine große Vormachtstellung genießen. Autofrei zu werden, scheint für die Stadt Halle noch weit entfernt. Doch auch strengere Geschwindigkeitsregulierungen würden schon helfen, die Straßen für alle sicherer zu machen. Außerdem wäre es auch schon ein Fortschritt, die schon bestehenden Vorschriften in der Realität zu ermöglichen – beispielsweise die Ludwig-Wucherer-Straße entspricht in Sachen Abstand nicht den geltenden Auflagen. Daher ist es wichtig, aktive Zeichen für die notwendige Verkehrswende zu setzen. Bei der Critical Mass mitzufahren ist eine Möglichkeit, außerdem finden sich bei Halle Verkehr(t) oder beim ADFC Informationen und Aktionen zum Thema des Radfahrens in der Stadt.

 

Wir treffen eine Zweiradmechatronikerin

Leila macht eine Ausbildung zur Zweiradmechatronikerin mit dem Schwerpunkt Fahrradtechnik. Sie lernt an der Berufsschule und arbeitet gleichzeitig im Fahrradies in Halle. Der Beruf hat mit Blick auf die Verkehrswende eine gute Zukunft, sagt Leila, und bietet spannende Arbeitsfelder. Falls ihr überlegt, Zweiradmechatroniker(in) zu werden, schaut euch doch mal nach einem Praktikum um oder testet eure Leidenschaft über Youtube-Tutorials zum Thema Fahrradreparatur aus.

 

 

Unsere Dokutipps zum Thema Verkehrswende (Links untenstehend):

 „Kann das Elektroauto die Umwelt retten?“
Die NDR-Doku beschäftigt sich damit, ob das E-Auto wirklich als DIE Lösung gegen schlechte Luft und Klimawandel dienen kann. Dabei ziehen Florian Schneider und Valentin Thurn aktuelle Zahlen zur Klimabilanz von E-Autos zurate, sehen sich die Produktion eines deutschen E-Autos an und sprechen über das Problem der Batterieherstellung.

„Mobile Zukunft. Die Stadt von morgen“
Diese Doku von Arte wurde letztes Jahr produziert und beschäftigt sich mit dem dringen überholungsbedürftigen Stadtverkehr. In der Doku stellen Verkehrsforscher mithilfe von Virtueller Realität ihre Zukunftsszenarien vor. Spannende Visionen von Flugtaxis und selbstfahrenden Autos werden vorgestellt.

 

 

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Grün hinterm Ohr
Umweltmagazin auf Radio Corax
Jeden 3. Dienstag im Monat
19:00 Uhr 
Wiederholung am Folgetag 10:10 Uhr 
auf www.radiocorax.de im Livestream
oder im Radio auf UKW 95.9

 

Weiterführende Links

NDR-Doku: „Kann das Elektroauto die Umwelt retten?“
Arte-Doku: „Mobile Zukunft. Die Stadt von morgen“
Halle Verkehr(t)
ADFC Halle

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