Permakultur

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Die ausbeuterische Nutzung natürlicher Ressourcen durch den Menschen verringert nach und nach deren Verfügbarkeit zur Energiegewinnung, zur Nahrungserzeugung, als Lebensraum und Lebensgrundlage. Viele globale Ökosysteme stecken in tiefen Krisen. Eine Reaktion auf diese Prozesse ist eine naturnahe Form der Landwirtschaft: die Permakultur.
Aus aktuellem Anlass sprechen wir jedoch zunächst über das EU-Mercosur-Abkommen. Die Verhandlungen für das Abkommen zwischen dem Mercosur, also der wirtschaftlichen Gruppierung Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay und der Europäischen Union wurden Ende Juni 2019 abgeschlossen, aber die Ratifizierung steht noch aus. Greenpeace und andere Umweltorganisationen wollen das Abkommen verhindern. Im Abkommen geht es hauptsächlich um Zollsenkungen auf verschiedene Produkte. Vor allem die Zölle auf Fleisch (hauptsächlich Rindfleisch), Soja, Zucker und Bioethanol sollen gesenkt werden. Doch in vielen Ländern im Mercosur werden in der Landwirtschaft Chemikalien eingesetzt, die in der EU verboten sind. Diese Pestizide sind eine Gefahr sowohl für Mensch als auch Natur. Und gerade diese Pestizide die von europäischen Unternehmen immer noch verkauft werden, sind auch von den Zollsenkungen betroffen. Denn das Abkommen betrifft von europäischer Seite vor allem die Autoindustrie, die Chemie- und Maschinenproduktion. 
Abgesehen von der Bedrohung der Natur ist das Abkommen auch eine Gefahr für die Menschenrechte. Indigene Völker werden schon seit Jahren aus ihren Territorien vertrieben, Kleinbauern und -bäuerinnen verlieren ihr Land und die Auswirkungen der Naturzerstörung haben Konsequenzen für viele BewohnerInnen im Amazonasgebiet. Diese Prozesse werden durch das Abkommen noch weiter verstärkt. 
Unter dem untenstehenden Link könnt Ihr eine Petition von Greenpeace unterzeichnen, die ein Zeichen gegen das Abkommen setzt. Außerdem werden in den kommenden Wochen kleine Flyer in verschiedenen Läden in Halle ausliegen, die euch über Hintergründe zu dem Abkommen informieren. Haltet die Augen offen!
 
 
Zurück zur Permakultur: Permakultur ist der Kurzbegriff für permanente Agrikultur. Sie hat das Ziel, in allen Bereichen menschlichen Wirkens sowohl Mensch als auch Natur Entfaltung und Balance zu ermöglichen. Alles, was gepflanzt wird, soll einen Teil zum Kreislauf der Natur beitragen. Pflanzen werden geschickt miteinander kombiniert, um optimal voneinander zu profitieren.
 
 
Ein Permakultur-Verein in Halle heißt Food Forest. Im aktuellen Projekt „the circle of life“ wollen die InitiatorInnen auf dem Terrain des Tierschutz Halle Permakultur und Tierschutz miteinander verbinden. Sie erzählen uns, dass die Idee der Permakultur vom Australier Bill Mollison stammt und sich gegen die gängige Praxis der Monokulturen stellt. Ein Grundgedanke ist, Pflanzen mit unterschiedlicher Wurzeltiefe nebeneinander zu setzen, wodurch die Pflanzen nicht in Konkurrenz um Nährstoffe stehen und die Erträge so deutlich höher werden. Zudem werden erwünschte Insekten gezielt eingeladen, um Schädlingsbefall auf natürliche Weise ohne Pestizideinsatz zu verhindern. Durch die Bedeckung des Bodens mit Mulch wird versucht, den Wasserverbrauch im Pflanzenanbau zu verringern. Die effektive Nutzung von Kompost unterstützt den Nährstoffkreislauf. Der Food Forest wird so ein selbsterhaltendes, nachhaltiges Ökosystem. Jeden Samstag von 14-17 Uhr wird bei Food Forest am Tierschutz gemeinsam gegärtnert, das Team freut sich immer über Unterstützung beim Gärtnern, Bauen, Bäume Fällen, Unkraut Jäten oder auch über finanzielle Unterstützung. Jede(r) ist willkommen, also schaut gerne vorbei! 
https://www.foodforesthalle.de/
 
 
Nach und nach gibt es auch größere landwirtschaftliche Betriebe, die nach den Permakultur-Prinzipien arbeiten. Auch in Halle gibt es einen solchen Biohof: Den Permakulturhof Biophilja in Halle-Osendorf. Hier findet sich eine bunte Mischbepflanzung von Pflanzen, die sich gegenseitig vor Schädlingen schützen, Schatten spenden oder Bienen erfreuen. Lokal gute Lebensmittel zu erzeugen, ist für die BetreiberInnen ein Beitrag zum Erhalt der ökologischen Stabilität Erde. Ressourcenschonung und Tierschutz sind dabei ebenso wichtig wie der nachhaltige Pflanzenanbau selbst. Permakultur ist so für Biophilja keine Utopie. Auch ohne große Maschinen ist die Nahrungserzeugung auf Höfen wie Biophilja sogar ergiebiger als bei nicht-permakulturellen Betrieben. Auf der ganzen Welt könnte kleinbäuerliche Landwirtschaft der Schlüssel zur Landwirtschaft der Zukunft sein.
http://biophilja.net/
 
 
In der Obst- und Gemüseerzeugung sind Solidarische Landwirtschaften (Solawis) ein gängiges Prinzip, um marktunabhängig und regional Menschen mit Nahrung zu versorgen. Die Alp-Solawi ist ein Konzept, in dem die solidarische und nachhaltige Idee auf die Herstellung von Käse übertragen wird. Alm- bzw. Alpbetriebe im Berggebiet halten und melken im Sommer die Kühe der regionalen Bäuerinnen und Bauern – und eine KonsumentInnengemeinschaft zahlt einen solidarischen Anteil, um im Winter durchgängig mit Käse versorgt zu sein. Milchwirtschaft in den Bergen ist sinnvoller als im Flachland, weil sie nicht mit der Nutzung von Fläche für Ackerbau kollidiert; die steilen Bergwiesen könnten zu keiner anderen Form der Nahrungserzeugung genutzt werden. Das bedeutet, dass der Konsum von Milchprodukten stark reduziert werden müsste, um die zur Verfügung stehende Fläche und die Ressourcen effektiv für die Ernährung zu nutzen. 
Um diese achtsamere und nachhaltigere Form der Käseherstellung zu unterstützen, wendet euch gerne mit Ideen oder Kontakten an alpsolawi@posteo.net
https://www.zalp.ch/zalpletter/alp-goes-solawi-eine-projektskizze/
 
 
 
 
Unsere Tipps:
 
Webseiten
 
www.permakultur.de – Angebot von Weiterbildungen und Kursen zur Permakultur in ganz Deutschland. Z.B. Selbstversorger-Stadtgarten-Kurse, Einführungen in Kompost und Bodenfruchtbarkeit oder Kurse zur Bearbeitung von Wildholz.
www.mundraub.org – Plattform mit Verzeichnis für Obstbäume und –sträucher auf öffentlichem Grund, an legal frisches Obst geerntet werden kann.
www.solidarischelandwirtschaft.org/mediathek – Literatur, Filme, Audios zu den Themen Solidarische Landwirtschaft und Permakultur.
 
 
Bücher
 
Graham Bell: „Der Permakultur-Garten“ und „Permakultur praktisch“
David Holmgren: „RetroSuburbia – The downshifter’s guide to a resilient future“
 
 
Dokumentationen
 
„TOMORROW – Die Welt ist voller Lösungen“ – Eine preisgekrönte Dokumentation über mögliche Lösungen, um den globalen ökologischen Kollaps aufzuhalten. DVD. 
https://www.tomorrow-derfilm.de/
 
„Das System Milch“ – Arte-Doku, die ergründet, wie die Milchindustrie global funktioniert, warum Milch so wichtig geworden ist und was es für Alternativen gibt.
 
„Mit offenen Karten – Waldwelten“ –  Arte-Beitrag mit Überblick über die Wälder unserer Erde.
 
 

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